Fluctuat, nec mergitur! *

 

Dienstag, 14. Mai 2013

In der Schlucht der Ardèche

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/2000sec    ISO 200

 
 

Als ich in der Woche an der Ardèche einmal meine „alte“ M9 aus der Tasche nahm, kam es mir so vor, als funkelte sie mich zornig an:

„Ah, sieh an, nimmst du mich doch noch mal in die Hand, ich denke, du ziehst jetzt mit diesem neuen Flittchen um die Häuser, dieser M ! Ich bin dir ja nicht mehr gut genug...schnüff...“


Aber die Analogie der verlassenen Geliebten treibt den Anthropomorphismus zu weit, eine Kamera ist ein Gegenstand, der einem lieb und wert sein kann, aber wirklich lieben kann ich nur meine Frau und Kinder.

Die M9 ist mir mehr wie ein zuverlässiger Wanderstab, der mir so manchen Weg entlang geholfen hat, mir Stütze war, mir half, manche „fotografische“ Höhe zu erklimmen, die ich sonst vielleicht nicht erreicht hätte.

Und dieser Stab ist immer noch stark, er zeigt zwar die Spuren des Gebrauchs, aber er kann mir weiterhin gute Dienste leisten.

Ein wenig sentimental kann ich schon werden, wenn ich sie in die Hand nehme, über die Ecken streiche, wo das glatt polierte Messing des massiven Gehäuses durchkommt. Ich denke an die teilweise extremen Bedingungen, in die sie mir folgen musste, Kälte (Sternenhimmel bei -20° im Winter) und Hitze (in der Provence, dass die weisse Farbe an den Bedienknöpfen schmolz), Nässe (klatschnass in der Breitachklamm, Kenterung in der Ardèche-Schlucht), Stösse (am Körper baumelnd, während ich an Ketten die letzten 100 Höhenmeter zu einem Gipfel machte, oder im Fahrradrucksack auf irgendeinem Trail durchgeschüttelt).

Trotzdem hat meine M9 jedenfalls nie den Dienst versagt, der sprichwörtliche Fels in der Brandung...


Das muss ja nicht auf alle M9‘s zutreffen, das Leica-Forum ist voll von Genörgel über alles Mögliche...


Aber ich werde sie „in Ehren“ halten, wenn die „Neue“ mal muckt, ist das nicht gleich ein Weltuntergang, solange ich die M9 in Petto habe.


Denn die neue M muss sich natürlich erst mal beweisen und zeigen, das sie das alles auch mitmacht, denn solches muss eine Kamera bei mir leisten. Darum war diese Woche an der Ardèche, von der ich hier berichten werde, schon auch ein Härtetest auf „Herz und Nieren“.

Was die M nun besser kann, was genau so gut geht wie bei der M9, oder wo‘s noch hakt (Firmware!), das werde ich anhand der Bildbeispiele aus der Ardèche-Woche zeigen.

Was hat es mir dieser Woche überhaupt auf sich? Wer schon mal in meinem Blog gestöbert hat, wird feststellen, dass dies eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung ist.

Schon in meiner Schulzeit (und davor) gab es die  Kanu-AG am Wesergymnasium Vlotho. Vor 30 Jahren fuhr ich mit dem Lehrerehepaar, das diese AG gründete, an die wilden Flüsse Frankreichs. Damals fuhren wir in den Sommerferien privat dorthin. Seit 1991 ist es eine Schulveranstaltung, immer in der Himmelfahrtswoche. Die Schüler der Kanu-AG, aus den Jahrgängen 7-13 (jetzt 12) fahren zusammen an die Ardèche (weil das Klima im allgemeinen mild ist und der Fluss auch für Anfänger geeignet).


Zu der Zeit war ich bereits mit dem Studium fertig, da mich aber eine lebenslange Freundschaft mit jenem Lehrerehepaar verbindet, wurde ich gefragt, ob ich nicht als Betreuer mitfahren wollte, zumal ich durch die vielen Fahrten vorher die Abläufe in einem solchen „Trainingslager“ und die Gegend gut kannte.

Seither fahre ich jedes Jahr mit, es ist immer wieder ein Erlebnis. Das Lehrerehepaar ist mittlerweile im Ruhestand, ein Schulfreund von mir (genauso in der Kanu-AG sozialisiert) ist Lehrer geworden und hat nun die Leitung der Kanu-AG seit einigen Jahren übernommen. Das nennt man Kontinuität...

Oft lassen sich in der Woche auch „Ehemalige“ blicken, der Matheprofessor schlägt sein Zelt neben der Kinderärztin auf, der Ingenieur neben dem Zahnarzt...einige Studenten aus allen Fachrichtungen waren auch da. Wir waren 40 Leute, davon 28 Schüler.

Wer in der Woche dabei ist, wird auch aufhören, pauschal auf die Jugend zu schimpfen, denn die da mitfahren, sind alle wirklich Klasse!

Das die „M“ als Messucher-Kamera ebenso gut funktioniert wie die M9, habe ich schon im vorausgegangenen Blog gezeigt. Wer sie wie eine M9 gebrauchen will, wird nichts vermissen. Ich war in Aubenas auf dem provencalischen Markt, in Vallon Pont d‘Arc in der Stadt und habe dort „Strassenfotografie“ gemacht. Wie bei der M9 ist die M durch ihren Form-Faktor unauffällig und wirkt weniger bedrohlich (für Fremde), als eine dicke Canikon-DSLR. Das zeigte sich auch diesmal.


Jetzt zeige ich einige Bilder aus der Woche, die vielleicht stellvertretend für gewisse Eigenschaften der Kamera sind. Ich gehe nicht unbedingt so vor, wie es chronologisch stattgefunden hat.

Insgesamt habe ich über 2000 DNG-Bilder mitgebracht, die ich noch im Einzelnen sichten muss.

Übrigens, DNG: Sehr lobenswert von Leica, dass sie dieses universelle Dateiformat nutzen, statt wie Canon/Nikon/Fuji etc. proprietäre Dateiformate zu nehmen, die das Leben der Software-Entwickler schwerer machen und weniger Zukunftssicher sind.

  1. *Sie schwimmt, sie wird nicht untergehen!

(Motto des Stadtwappens von Paris, oft etwas weniger prosaisch übersetzt: „Von den Wogen geschüttelt, wird sie nicht untergehen!“)

Ein Kanu-Fahrer kann sich das zu Herzen nehmen...

Mit der „M“ an der Ardèche

Das gute Stück: Die neue „M“

Foto meiner eigenen Kamera mit dem 28mm Elmarit asph. davor.

Leica M9 mit 75mm Summicron bei f/11   8sec    ISO 160

Abendessen

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/500sec    ISO 200

Auf dem Markt in Aubenas

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/2000sec    ISO 200

Was sich für mich wie ein roter Faden durch die Woche zieht, ist, dass sich die neue Sensortechnologie im Gebrauch (für mich) bemerkbar macht, denn ich liebe die available light/low light- Fotografie. Oft habe ich Abends bei „Schummerbeleuchtung“ fotografiert, die Sauberkeit der Dateien auch bei hohen ISO-Werten haut mich um. Nun bin ich von der Fuji X100s auch schon verwöhnt, mittlerweile ist ISO 6400 eine realistische Option! Vorher undenkbar. Das zweite ist die deutlich verbesserte Dynamik, gut 2 Blendenstufen mehr Umfang sind ein Wort! Das dritte, weniger wichtig, aber doch auch ein Beitrag zur Wirkung des Bildes (vor allem, wenn es grossformatig ausgedruckt wird) ist die höhere Auflösung, immerhin ein drittel mehr Pixel als bei der M9, wiederum ohne den Moirè-Filter, dessen Abwesenheit  den Effekt noch verstärkt.


Exkurs: Die technische Brillianz eines Bildes (oder einer Kamera) sagt nichts über den künstlerischen Wert des Bildinhaltes aus. Man kann mit der tollsten Kamera gähnend langweilige Bilder machen. Der Umkehrschluss ist auch möglich.


Mark Dubovoy von Luminous Landscape hat im Internet kräftig „Kloppe“ bekommen, als er es wagte, zu behaupten, die Bildqualität sei sogar noch besser, als bei dem momentanen „goldenen Kalb“ der DSLR-Nutzer, der Nikon D800.

Diese Vergleiche sind müßig, sicher ist, dass die Sensoren in dieser Liga nur marginal voneinander entfernt sind und letztendlich nur entscheidend ist, was drum herum gebaut ist und wie es zu bedienen ist. Vom Glas mal ganz abgesehen...

Der Rest ist reine Geschmacksache. Ich finde den Form-Faktor und die Kompaktheit des M-Systems zur Zeit unschlagbar (auch was die Bildqualität betrifft, z.B. gegen andere Spiegellose Kameras, zumindest jetzt noch). Ein bisschen schadenfroh muss ich anmerken, dass die Nikon 800 - Nutzer ja leichte Schwierigkeiten haben, Objektive zu finden, die den Sensor auflösungstechnisch überhaupt beschicken können, während ich buchstäblich hunderte verschiedener M-Objektive zur Auswahl habe. Irgendwo habe ich gelesen, das selbst Objektive von Leica aus den 50er Jahren theoretisch schon 75 Megapixel auflösen können. Da können die bei Leica  noch ein Brikett drauflegen, wenn mal mehr Pixel angesagt sind...

Schlucht

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/350sec    ISO 200

Das obige Bild ist bei einer Radtour um die Ardèche-Schlucht herum entstanden. Von der „Corniche“ aus hat man bombastische Blicke ins Tal.

Ich fahre ja bekanntlich Rennrad und Mountain-Bike, je nach Gegebenheiten, selbstverständlich nehme ich an die Ardèche ein Fahrrad mit, in diesem Fall das Mountain-Bike.

Ich war nach dem Frühstück mit einem Freund losgefahren zu dieser Umrundung, die ich schon oft gemacht habe. Wegen der zu erwartenden Ausblicke hatte ich natürlich die M dabei. Mein Punkt hier ist jetzt, dass ich sportlich unterwegs bin, kein grosses Gepäck mich behindern soll. Ich trage einen kleinen Fahrrad-Rucksack, der Regenjacke, Werkzeug, Ersatzschlauch, Pumpe und diversen anderen Kleinkram enthält, den man vielleicht braucht. Da passt nicht viel zusätzlich rein.

Aber ich kann die M mitnehmen und vier Objektive dazu, ich hatte 12, 28, 50 und 90mm dabei, ohne das es mich störte, jedes Objektiv steht für eine Killer-Bildqualität. Ich hatte früher meine Canon 5D II auch im Rucksack, aber da ging nur ein Zoom-Objektiv mit, dann war Schluss.

Nach drei Stunden (70km und ca. 1200 Höhenmeter) kamen wir am Pont d‘Arc an, dem Wahrzeichen der Ardèche, wo wir auf unsere Kanuten trafen, die dort übten. Da hatte ich auch gleich die richtigen Objektive am Mann, um dort entsprechende Fotos beim Kanufahren zu machen.

Am Pont d‘Arc

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/1500sec    ISO 200

Ich mache gerne auch Langzeitbelichtungen, am ersten Abend gleich zog ich los und verlustierte mich bis Mitternacht (die Zeit vergeht wie nix dabei...).

Da stieß ich aber schliesslich doch mal auf „Mucken“, die wohl ein Firmware-Update erfordern. Ich freute mich schon, den klaren Sternenhimmel bei ISO 2000 oder höher richtig hell und lange zu belichten, ohne das die Sterne zu „langgezogen“ wirken (siehe Beitrag „Stars and Stripes“), als ich bemerkte, dass in der Bulb-Funktion der Kamera ganz klar ein „Bug“ steckt: Je höher man die ISO einstellt, um so kürzer wird die maximale Zeit in der Bulb-Funktion. Da die aber sowieso nur bei einer Minute liegt (bei ISO 200), verkürzte die sich plötzlich auf 12 Sekunden bei ISO 3200. Damit kann ich natürlich nichts anfangen. Die M9 kann in „Bulb“ 5 oder 6 Minuten belichten (ich weiss nicht mehr genau, so lange habe ich nie gebraucht), und so soll die Funktion schliesslich auch zu verstehen sein. So wie sie jetzt an der M ist, ist es ein Witz! Also Update...

Immerhin funktioniert das „normale“ Langzeitbelichten eigentlich besser als bei der M9, denn statt vorher 32 Sekunden misst die neue bis zu 60 Sekunden in Automatik-Stellung des Zeitwahlrads.

Das ist schon bequemer als „Trial and Error“ vorher (bei längeren Belichtungszeiten als 32 Sekunden).

Banales Motiv, wirkt aber doch durch Licht, Farbe und Schatten: Die Ausfahrt des Campingplatzes

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4    8sec    ISO 200

Unter der Brücke von Salavas

Wer entdeckt die Diagonale, die das Bild genau in zwei Hälften teilt?

Leica M mit 12mm Voigtländer Heliar bei f/5.6    60sec    ISO 200

Wie Eingangs erwähnt, ist der Unterschied zur M9 in der Dynamik des Sensors doch mehr als offensichtlich, je länger ich die M gebrauche. Besonders aufgefallen ist mir das eines Abends, als ich mir vornahm, den Sonnenuntergang am Tourre de Serre zu fotografieren, einem markanten Aussichtspunkt am Anfang der Schlucht. Ich hatte mich schon voll auf HDR eingestellt und ordentlich Belichtungsreihen gemacht, als mir auffiel, dass ich die ganz normale Datei nehmen konnte und doch alles drauf hatte. Bei dem Gegenlichtbild oben (beim Abendessen) z. B. können die Schatten komplett geöffnet werden, die Bilder bekommen dadurch einen HDR-Look, da muss man sich bei der Bildbearbeitung wirklich zurückhalten...bei dem Bild habe ich die Schatten extra in Ruhe gelassen.

Vom Tourre de Serre aus

Leica M mit 12mm Voigtländer Heliar bei f/5.6    1/15sec    ISO 200  kein HDR!

Speziell was das 12mm Heliar angeht, bietet die M mit dem neuen ansteckbaren elektronischen Sucher einen weiteren Riesenvorteil gegenüber der M9: Bildkomposition wie bei der DSLR beim Blick durchs Objektiv! Genial! Der Sucher kann selbst bei Radtouren leicht im Rucksack Platz finden.

Überhaupt ist die Live-View Funktion auch am hinteren Display für die Bildkomposition bei Landschaftsaufnahmen eine willkommene Sache, die ich schon bei meinen DSLR‘s zu schätzen wusste.

Dafür brauche ich so‘n Ding also auch nicht mehr...

Tatsächlich steht ja noch der R-Adapter aus, der dann sehr lange Brennweiten oder Makro-Fotografie ermöglicht. Eine weitere Sache, die die Domäne der Spiegelreflex-Kameras erobert. Darüber werde ich zur gegebenen Zeit berichten.

Vom selben Ort, nach Sonnenuntergang: Der markante Felsen von Sampzon (mit Sender)

Leica M mit 90mm Summarit bei f/4.8    1/30sec    ISO 200

Jetzt zu einem Thema, dass von „Leica-Hassern“ immer gern breitgetreten wird: Der fehlende Autofokus! Missgünstige Zeitgenossen werden ja nicht müde, zu behaupten, mit so einer Messsucherkamera könne man ja nur Stillleben fotografieren, alles, was sich bewegt, könne „Mutti“ mit ihrer Aldi-Kamera doch wesentlich besser ablichten.

Ja, so ein Schmarrn! Schon mit der M9 habe ich den Beweis angetreten, dass das fotografieren bewegter Motive nur eine Sache der Methodik und (selbstverständlich auch) der Übung und des Geschicks sind.

Beim Bericht über die Fuji X100s habe ich gesagt, dass der Autofokus dieser Kamera schnell und bequem ist, wenn die Bedingungen gut sind.

Aber das ist eben der Punkt: Nicht immer sucht sich der Autofokus die richtige Stelle aus, aber wenn ich manuell fokussiere, immer. Egal, ob da eine Glasscheibe, ein Maschendrahtzaun oder ähnliches zwischen sind. Die Aufnahmen am Schwall sind für einen geübten Messsucherfotografen schon „höheres Level“,  aber eine Autofokuskamera hätte Schwierigkeiten, bei dem vielen herumspritzenden Wasser das Motiv zu treffen.

Übrigens ein kleiner Abstecher in „meine“ Technik: Ich fokussiere z.B. auf den Bootsfahrer, kommt er auf mich zu, verringere ich die Entfernung am Fokusring (kleine Drehung nach rechts), warte, bis er in meinen Fokus im Messfeld hereinläuft und löse passend aus. Das kann ich beliebig oft machen, bis er bei mir ist. Manuelle Nachverfolgung. Geht super.

Am ersten Nachmittag wollten einige noch an der Slalomstrecke unter der Brücke von Salavas üben, dort machte ich Aufnahmen mit 50mm Summilux mit Offenblende (ND-Filter), das heisst: Hauchdünner Tiefenschärfe-Bereich, wenn man da nicht absolut exakt fokussieren kann, bleibt man mit einem Haufen unscharfer Bilder sitzen.

Nein, der ist nicht „baden gegangen“, dafür gibt‘s ja die „Eskimo-Rolle“

Leica M mit 50mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/2000sec    ISO 200   ND-Filter 3 Blendenstufen

3-D Effekt? Offenblende!

Leica M mit 50mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/1500sec    ISO 200   ND-Filter 3 Blendenstufen

Dann gibt‘s natürlich auch die Option, einfach Serienbilder zu machen, denn die M kann natürlich viel schneller nacheinander belichten als die gemächliche M9.

Ich bin kein Freund dieser Technik, die man auch als „Spray and pray“ bezeichnet.

Man klatscht sich die Speicherkarte mit einem Haufen Müll zu und muss nachher stundenlang sortieren...

Dennoch gibt es natürlich eine Berechtigung, und zwar, wenn man Bewegungsabfolgen dokumentieren will.

Wollte ich z.B. ein Lehrbuch über die Technik beim Kanu-Sport schreiben, wären die folgenden Bilder nützlich:

Bewegungsphasen bei der Technik des Paddelhangs (Das Boot heisst übrigens „Augenkrebs“, wegen der Farbe...)

Leica M mit 50mm Summilux asph.  bei f/8.0    1/750sec    ISO 200

Also, „Action“ am Schwall - kein Problem. Man darf sich die Sache natürlich auch etwas vereinfachen, wenn man eine Blende wie f/5.6 oder F/8.0 wählt, man hat mehr Spielraum. So viel zu manuellem fokussieren. Den Beweis trete ich gerne sofort an...ist natürlich nicht jedermanns Sache.

Und hier ein Porträt, einfach nur mal, um zu zeigen, wie das 50mm Summilux „zeichnet“

Leica M mit 50mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/750sec    ISO 200   ND-Filter 3 Blendenstufen

Jetzt kommt mein Lieblingsthema: Low-Light Fotografie! Und hier zeigt die M, was in Kombination mit den lichtstarken Summilux-Objektiven möglich ist. Fotografieren bei Kerzenlicht? Noch viel zu hell...

Leica gibt ISO 6400 als „Push“-Funktion an und schränkt ein, das „Banding“ auftreten kann. Kann es tatsächlich, aber nur, wenn man unterbelichtet. Es war jedenfalls für mich keine Sache, ich habe bei schwindendem Licht skrupellos auf ISO 6400 hochgeregelt, ich wollte ja die Grenzen austesten.

Uups, da war ja noch ein Bug in dem Zusammenhang: Wenn man ISO-Automatik an hat, aber Blende und Zeit fest vorwählt, sollte sich eigentlich der ISO-Wert je nach Lichtbedingungen entsprechend einstellen. Tut er aber nicht. Bei der M9 ist das ganz normal. Da haben die Leica-Ingenieure was übersehen...ich sage nur: Firmware-Update...

Trotzdem: Als ich an den Abenden fotografierte, konnte ich selbst kaum fassen, das die Kamera zum Teil noch mehr sah als ich. Auf den Bildern ist es manchmal heller, als es eigentlich war.

Gitarrenkonzert

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/15sec    ISO 3200

Schlafenszeit

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/6sec    ISO 6400


So ein ähnliches Bild habe ich auch letztes Jahr gemacht, aber mit Stativ und 30 Sekunden Belichtungszeit. Dieses habe ich „im Vorbeigehen“ aus der Hand fotografiert. In dem Zusammenhang werde ich nicht müde, auf die Belichtungszeit hinzuweisen: 1/6 Sekunde aus der Hand! Das geht nur mit einer Kamera ohne Spiegel (der das ganze Gehäuse beim hochklappen in Schwingung versetzt).

Wir hatten ein paar Spitzen-Gitarrenspieler dabei, so war jeden Abend „Wunschkonzert“, echte Zeltplatzromantik (aber auf hohem Niveau!)

Ich weckte auf allgemeinen Wunsch jeden Morgen um 7 Uhr mit „zartem“ Flötenspiel. Allerdings war der Effekt wohl so, das einige entspannt der Flöte zuhörten, um sich anschliessend umzudrehen und wieder einzuschlummern.

Ich denke, eine Trompete zum wecken ist da effektiver...kann ich auch mit dienen...

Konzertbeginn

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/45sec    ISO 3200

Etwas später

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/15sec    ISO 3200

Noch später

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/12sec    ISO 6400

Im Stockfinstern

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/30sec    ISO 6400

An einem anderen Abend im Zelt

Leica M mit 35mm Summilux asph.  bei f/1.4    1/25sec    ISO 6400

So, ich denke, das mit der Low-Light Fotografie ist zur Genüge bewiesen...die nächste Konzert-Saison in schummrigen Kirchen kann kommen...


Selbstverständlich musste die M mit mir im Kanu fahren, als es durch die Schlucht ging, schliesslich wollte ich ja dabei Bilder machen. In einem Wasserdichten Bootssack eigentlich sowieso kein Problem, die M9 hat das auch gekonnt, die ist nominell nicht mal Wetterfest, wie die neue M (die also wenigstens etwas Feuchtigkeit aushalten sollte). Aber man sollte ja ohne Not nicht das Schicksal herausfordern, also packte ich sie schön trocken ein. Die folgenden Bilder sind von „unterwegs“:

Vorbereitung zum Aufbruch

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/750sec    ISO 200

Ankunft an der „Pausenstelle“

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/250sec    ISO 200

„Pausenstelle“

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/500sec    ISO 200

Am Ende der Schlucht

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/500sec    ISO 200

Noch gar nicht erwähnt habe ich die Video-Funktion der M, weil sie für mich völlig überflüssig ist. „Not my cup of tea“ sagt der Angelsachse, so ist das für mich.

Aber der „M“-Knopf (in dem Fall: „M“ wie „Movie“) oben neben dem Auslöser ist unglücklich angebracht, solange er nicht gesperrt werden kann. Man macht manchmal plötzlich Videos, ohne es zu wollen.

Darüber hinaus gibt es den Fokussierhilfe-Knopf (bei Live-View) auf der Vorderseite neben dem Objektiv, er dient auch zum Verstellen der Belichtungskorrektur, während man den Messsucher am Auge hat.

Man drückt den Knopf und dreht mit dem Daumen das Scrollrad hinten.

Dabei brechen sich allerdings die meisten die Hand. Selbst ich (in meinem Beruf sollte man schon etwas Geschick mitbringen) finde, dass dieser Griff irgendwie „krampfig“ ist.

Die Lösung beider „Knopf-Probleme“ ist mal wieder Firmware-Update: Optional die Funktion der beiden Knöpfe tauschen, und alles ist geritzt.

Am „Übungsschwall“

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/11   1/350sec    ISO 200

Hat die M die Feuerprobe an der Ardèche bestanden? Auf jeden Fall! Wenn man erst mal die neuen Möglichkeiten genossen hat, freut man sich doch über die erweiterte Vielseitigkeit. Wenn ich abends vor dem Schlafengehen die Speicherkarte leerte und mir ein paar Bilder des Tages anschaute, war ich glücklich über die „Ernte“.

Es gibt noch einige Fotos, die ich ausdrücklich mit dem Hintergedanken der Schwarzweiss-Bearbeitung gemacht habe, die werde ich in Ruhe auswerten und darüber vielleicht einen Extra Blog-Eintrag schreiben.

Ausserdem werde ich in den nächsten Tagen eine Sammlung auf der Seite „Meine Alben“ einstellen, mit dem überraschenden Titel „Ardèche 2013“.


Nach wie vor ist klar, dass das Fotografieren mit einer Messsucherkamera eine Nische ist, für viele scheidet es schon allein wegen der Notwendigkeit des manuellen Fokussierens aus.

Da ich nun an der Ardèche das dritte Jahr mit Leica fotografierte, färbte meine Einstellung auf die Foto-Interessierten in der Kanu-Ag ab und alle sind der Überzeugung, das Leica die Krone der Schöpfung ist (dass ich sogar ausdrücklich auf die Unzulänglichkeiten hinweisen musste, um mir nicht „Indoktrination“ vorwerfen zu lassen). Ausserdem sähe sie „cool“ aus...

Ich verlieh auch die M9 dort, die Schüler hatten den Dreh mit der Kamera ganz schnell raus und haben ein paar tolle Bilder gemacht, was zeigt, wie schnell man die Technik erlernen kann. Hier ein Bildbeispiel, ein solches Foto mit einer M9 ist eigentlich was für „Fortgeschrittene“:

Foto, gemacht von Alexander, punktgenau fokussiert. Für‘s Licht kann er nichts, es war gerade etwas grauer Himmel

Leica M9 mit 50mm Summicron  bei f/2.8   1/1000sec    ISO 160

Nun könnte man ja sagen, es ist unfair, die Jugendlichen auf so etwas zu bringen, was preislich völlig ausserhalb der Realität für sie liegt.

Aber erstens muss man ja auch Ziele vor Augen haben (und vielleicht ist es besser auf eine M9 zu sparen als auf ein Motorrad), und zweitens finde ich es ganz gut, die Laienhafte Vorstellung zurechtzurücken, dass nur DSLR‘s den High-End Bereich der Fotografie beherrschen.

Dabei meine ich vor allem, dass vielen ja gar nicht klar ist, dass sie mit Kameras wie der Fuji X-Pro1 oder ähnlichem vielleicht viel besser aufgestellt sind als mit der „üblichen“ Canikon.


Ich bin sehr froh, das ich die M so früh bestellt habe, ich freue mich jeden Tag über die neuen Möglichkeiten. Es stört mich dabei auch überhaupt nicht, dass ich als „Early-Adopter“ mit Kinderkrankheiten der Kamera leben muss. Denn mittlerweile habe ich erfahren, dass jemand, der die M jetzt bei den grossen Leica-Händlern kaufen will, mit ca. 10 Monaten Lieferzeit rechnen kann (Tendenz zur Zeit steigend).

Kein Wunder, da in Solms am Tag höchstens 80 Kameras (für die ganze Welt!) hergestellt werden.


Letztes Foto: Am letzten Tag sollten für die „Kanu-Annalen“ von allen Porträts gemacht werden. Inspiriert von dem obigen „Sprungfoto“ schlug ich vor, statt klassischer Porträts so etwas zu machen. Das hat ausserdem allen eine Riesenspass gemacht, mir auch. Technisch war es überhaupt kein Problem, im rechten Moment abzudrücken, ich brauchte kein Bild zweimal machen. Wie auch die M9 hat die M so gut wie kein „Shutter-Lag“, jene Auslöseverzögerung, die den von Cartier Bresson beschworenen „Instant décisif“ verstreichen lässt.

Freischwebende Schwestern

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/1000sec    ISO 200

Es gibt mit Sicherheit noch einiges, was ich noch nicht erwähnt habe. Ein Nachtrag zur Ardèche-Fahrt, insbesondere mit Blick auf die Schwarzweiss-Fotografie, folgt noch.

Jetzt muss ich mich erst mal wieder in den Alltag stürzen, es wird leider wieder hektisch.