Die neue M

 

Freitag, 19. April 2013

Vlotho, defokussiert

Leica M mit 75mm Summicron bei f/4.0   8sec    ISO 200

 
 

O brave new world, that has such devices in‘t!


(W.Shakespeare, The Tempest, Akt V., Szene1), leicht abgewandelt...



Gestern Mittag kam ein Paket aus Berlin...es stand den ganzen Nachmittag ungeöffnet in der Praxis, ich hatte mordsmäßig viel zu tun...und hätte am liebsten alle rausgeschmissen ;-)


Die neue M. Ich hatte sie im September bestellt. Seit Ende Februar wird sie ausgeliefert. Bei der M9 hat es fast ein Jahr gedauert, bis sie den Rückstand aufgeholt hatten, bis mal eine Kamera „einfach so“ in den Leica-Shops war, die nicht schon vergeben war. Mal sehen, wie lange das bei der M dauert...


„Unboxing“ (nein, ich habe kein Video gemacht und in Youtube eingestellt) habe ich abends dann schon zelebriert. Ein schönes Gefühl. Eructavit cor meum.

Als ich sie das erste Mal in die Hand nahm, war das Gefühl wie bei der M9. Wertig. Das sie ein wenig schwerer ist, merkt man nicht. Alles war sofort vertraut. Die Haptik, das Taktile vermittelt eine Botschaft: Hier ist ein „No Nonsense“ - Werkzeug für Fotografie.


Es ist alles wie immer, nur noch ein bisschen besser. Die Bedienungsanleitung konnte ich mir sparen. Wer die M9 kennt, kommt mit der M sofort klar. Die Dinge, die wirklich neu zum Menü dazugekommen sind, kannte ich schon aus den Reviews.


Es war schon Dunkel, aber als der Akku etwas nachgeladen war (er war schon halbvoll aus der Box), hielt mich nichts zuhause, ich musste noch ein paar Probeaufnahmen machen...


Eines der ersten Fotos war gleich ein Härtetest: Ein Foto des Uffelner Kreisels mit einer 1/8sec Belichtungszeit aus der Hand bei ISO 6400

Kreisel

Leica M mit 21mm Elmarit asph. bei f/2.8   1/8sec    ISO 6400

Ich hatte es einfach mal probiert und konnte es kaum glauben: Es ging wirklich. Übrigens ist der Auslöser sehr viel leiser als der von der M9: Ein sanftes klicken und kein Aufziehgeräusch des Verschlusses. An dem Bild habe ich in LR nicht mehr viel gemacht. Rauschunterdrückungs-Wert bei 14...wer LR kennt weiß, wie wenig das ist. Kein „Banding“ in diesem Foto, aber wahrscheinlich würde es auftauchen, wenn mehr Schattenpartien da wären.

Eigentlich war ich an dem Kreisel nur gelandet, weil ich an die Weser wollte, um mit Stativ folgendes Bild zu machen:

City Lights

Leica M mit 75mm Summicron bei f/4.0   16sec    ISO 200

Aus meiner DSLR-Zeit war ich mit „Life-View“ gut vertraut, für die (überlegte) Landschaftsfotografie eine wertvolle  Hilfe. Ich kann nicht sagen, dass ich diese Sache bei meiner M9 wahnsinnig vermisst hätte (vermisst habe ich gar nichts, ich kam mit den Einschränkungen gut klar), aber es ist einfach angenehm, dass sie jetzt verfügbar ist.

Als ich durch den elektronische Aufstecksucher den Bildausschnitt wählen wollte, war das 75mm Summicron zunächst nah fokussiert.

Dieses „defokussierte“ Bild gefiel mir so gut, dass ich es auch fotografierte, es ist natürlich das ganz oben.

Das hantieren im Dunkeln mit der neuen Kamera war kein Problem: Als hätte ich sie schon immer gehabt. Aber die Schnelligkeit, das leise Auslösegeräusch, die Dynamik (ich schätze 1-2 Blendenstufen mehr als bei der M9), High-ISO u.s.w., die Angelsachsen würden sagen:


„It‘s the M9 on Steroids!“


Nun soll das hier kein Review werden (es gab auch schon genug), aber schon nach gestern Abend und einer Stunde heute Morgen kann ich sagen: Die M ist in der Neuzeit angekommen.


Ich hatte ja meine Canon-Objektive noch lange behalten, weil ich nicht „alle Brücken hinter mir abbrennen“ wollte, aber als klar war, was die M vermag, habe ich den  Rest verkauft.

Einen R-Adapter habe ich übrigens auch bestellt, der kommt dann noch...zwei R-Objektive sind auch schon da, aber was, wird noch nicht verraten ;-)


Beim nächsten Beitrag werde ich sicher auf mehr eingehen, was noch neu ist (und besser als zuvor!), heute Abend muss ich schliessen, mir fallen fast die Augen zu...


Heute morgen konnte ich gleich sehen, was der Riesenvorteil beim Elektronischen Sucher ist: Die Bildkomposition vor allem mit den extremen Brennweiten ist supereinfach (sicher, das war bei DSLR‘s schon immer, aber die vereinigen nicht auch noch alle Vorteile des Messsuchers in sich!).

Ach ja: Die DNG-Dateien des neuen Sensors sind anders, nicht so „knackig“, aber trotzdem sehr stabil, aber das hat den Vorteil, das sie flexibler sind. Außerdem sind sie auch bestens für Schwarzweiss-Fotografie geeignet, der Tonumfang ist eindeutig grösser als bei der M9. Da braucht man keine Monochrom...

Eisenbahnbrücke

Leica M mit 12mm Voigtländer Heliar bei f/5.6   1/180sec    ISO 200

Bildkomposition „geht wie nix“ mit dem neuen el. Sucher, gerade bei so schwierigen Brennweiten. Auf den Punkt.

Der Frühling kommt

Leica M mit 28mm Elmar asph. bei f/4.0   1/750sec    ISO 200

An der Burgmauer

Leica M mit 28mm Elmar asph. bei f/4.0   1/750sec    ISO 200

Wie gesagt, ich werde erst mal weiter Erfahrung mit der „Neuen“ sammeln und dann etwas ausführlicher berichten, aber schon jetzt kann ich sagen: Es ergeben sich neue Möglichkeiten, aber alles was gut war, ist geblieben. Schöne neue (Leica-)Welt...