Kopenhagen

 

...oder: a mermaid under siege.

Donnerstag, 18. September 2014

„Den lille Havfrue“ beim Licht des aufgehenden Mondes


Nach regem E-Mail Kontakt mit der Sternwarte Kopenhagen, Konsultation diverser Mondkalender und Astrolabien, durchführen von Computer-Simulationen...äh...okay, okay, ich gebe zu, es war einfach unverschämtes Glück, dass wir genau zu dem Zeitpunkt des Mondaufgangs bei dem Mädel ankamen. Na und?


Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   3sec    ISO 200

 
 

Die Zeit nach den Sommerferien war für mich durch sehr intensive Probenarbeit mit meinem Flötenquartett geprägt, nachdem wir nun in der ersten Septemberwoche unsere Konzerttermine hatten, fiel einiger Freizeitstress von mir ab.


Ein Freund und ich wollten dann ursprünglich ein paar Tage nach Südtirol zum Mountainbiken fahren, aber der Wetterbericht kurz vor Abreise war derartig schlecht, dass wir kurzerhand umdisponierten. Die einzige gute Wetterprognose war für den Norden gemeldet, also beschlossen wir, das Wort „Mountainbiken“ neu zu definieren und planten einen Trip nach Dänemark. Aber wie sagte schon Stefan Effenberg (der Fussballer): „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, also hatten wir im Norden auch nicht nur gutes Wetter.

Da sich Dänemark landschaftlich zu Südtirol so verhält wie das Vlothoer Telefonbuch zu Hermann Hesses gesammelten Werken, wollten wir wenigstens in eine interessante Gegend fahren, also fiel unsere Wahl auf Kopenhagen.


Schon wieder ‘ne Hauptstadt, ich kann nichts dafür! Wir hatten beide unabhängig voneinander denselben Gedanken.

Das ist also nun nach London, Amsterdam und Berlin die vierte Metropole innerhalb von kurzer Zeit. Sicher, die Geschäftsleute werden mit der Nase rümpfen und sagen „Na und? Das mache ich in einer Woche!“, aber für mich ist das schon ungewöhnlich.


Also packte ich mein Rennrad und ein Strassenrad ein und mietete uns in der Nähe von Kopenhagen eine kleine Ferienwohnung (Hotels waren alle ausgebucht, was war da eigentlich los?)


Unser Vermieter, seines Zeichens zertifizierter Kloakmestre (erinnerte mich an Meister Rörich, der sich am Telefon immer mit: Rörich! Gas, Wasser, Sch...“, meldete), war voll des Lobes über unseren guten Gedanken, Fahrräder für Kopenhagen mitzubringen, denn dadurch sei die Stadt in nullkommanix zu erschliessen.

Das war tatsächlich so, Kopenhagen verfügt über ein Netz von vorbildlich ausgeführten Radwegen auch in der Innenstadt, ich gebe also hiermit den guten Rat weiter, sich ein Fahrrad mitzubringen oder zu mieten. Allerdings wird dort Fahrrad in einem Stil gefahren, dass selbst Sebastian Vettel schwindlig würde.

Gegenüber London oder Paris ist die Liste der Sehenswürdigkeiten in Kopenhagen überschaubar. Wenn jemand protzig ankündigt, er werde heute Kopenhagen besichtigen, bin ich versucht zu fragen: „Und was machen Sie am Nachmittag?“


Okay, das war gemein...die Stadt hat schon was, wenn man Schlösser und Meerjungfrauen mag.

Schloss Amalienborg: The Volunteer

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/4000sec    ISO 200

Die Belagerung der kleinen Meerjungfrau (little Mermaid under siege)

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/1000sec    ISO 200




Ich möchte an dieser Stelle auf die Wissenschaft der „Aesologie“  (Lat. Aes = Bronze) hinweisen, die im wesentlichen auf der Tatsache beruht, dass sich Bronzefiguren eigentlich bewegen…nur sehr langsam, dem Werkstoff entsprechend.


Die Aesologie versucht nun herauszufinden, was die zahlreichen Bronzefiguren eigentlich vorhaben.

Über der kleinen Meerjungfrau ist zwischen zwei namhaften Aesologen aus Dänemark ein heftiger Disput entstanden. Die Auswertung von Fotografien seit ihrer Entstehung (Es gibt weissgott genug…) bringt die Experten zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen: Während Prof. Dr. Anders Vrøvlmedsovs der Meinung ist, die Meerjungfrau sei im Begriff, mit einem Kopfsprung in der Ostsee zu verschwinden (dies wird bei der gegenwärtigen Geschwindigkeit der Bewegung nach seinen Berechnungen in etwa 24 000 Jahren eintreten), behauptet sein Kollege Priv.-Doz.Dr. Sven Spøgtilside, sie sei in Wirklichkeit dabei, den Mittelfinger der linken Hand zum Ufer hin zu heben, und dass schon in etwa 2000 Jahren!


Welch Letzterer Wissenschaftler allerdings das Enfant Terrible der Aesologen ist, behauptet er doch auch, das Reiterstandbild von Frederik VII vor Schloss Christiansborg sei dabei, sich in etwa 7000 Jahren in der Nase zu bohren. Die Glaubwürdigkeit Spøgtilsides litt auch unter der Tatsache, dass man ihm nachweisen konnte, dass der Dänische Koch aus der Muppet Show nicht der angeheiratete Vetter seiner Zugehfrau ist und er auch nicht das Lied „Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm“ komponiert hat.


Zur Zeit arbeitet Spøgtilside jedenfalls fieberhaft an einer Computersimulation, die er bald Königin Margarethe vorstellen will…was Vrøvlmedsovs unter allen Umständen zu verhindern sucht.

Wer von den beiden auch immer Recht hat - die Botschaft der „Lille Havfrue“ ist leider ziemlich klar und läuft im Wesentlichen auf „ihr könnt mich alle mal“ hinaus.

„Den lille Havfrue“, Fotografie von der Aesologie noch nicht ausgewertet.

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/1500sec    ISO 200    ND-Filter 0,9

...dann traf ich bei der kleinen Meerjungfrau einen distinguierten japanischen Herrn, dass heisst, eigentlich stubste er mich an und hielt mir seine M Monochrom unter die Nase.

Ich sei der erste andere mit einer Leica M, der ihm in seiner bisher 28tägigen Europa-Reise über den Weg gelaufen sei. Sein Englisch war sehr gut. Ich versicherte ihm, dass sei die normale Quote. Wir verglichen unsere Objektive (den ND-Filter auf meinem 50er Summilux fand er interessant), ausserdem zückte er noch eine M3 aus seiner Kameratasche.  Wir trennten uns im besten Einvernehmen. Später dachte ich, so gutes Englisch...und wer kann sich eigentlich 28 Tage Europa leisten? Ich muss hier irgendeinem Industriemagnaten über den Weg gelaufen sein, jedenfalls hatte der mit Sony, Canon oder Nikon nichts zu tun...



Eigentlich könnte ich einen Blog machen nur über die Erlebnisse bei der kleinen Meerjungfrau (dadurch, dass wir mit den Rädern unterwegs waren, kamen wir immer mal wieder dort vorbei). Man kann dort alle möglichen Kameras in die Finger bekommen, weil man natürlich dauernd gebeten wird, mal ein Foto vom Besitzer mit Meerjungfrau zu machen. Natürlich machen auch viele das obligatorische Selfie.

Selfie with Mermaid

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/2000sec    ISO 200

Skurril war noch ein Herr, der ein Riesenstativ auspackte und umständlich aufbaute, um daraufhin eine Mini-“Point and shoot“- Kamera darauf zu befestigen, bei hellem Somnnenschein. Nein, er litt nicht unter Schüttellähmung, also war dieser Aufwand nicht ganz nachvollziehbar...

Better safe than sorry

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/1500sec    ISO 200

Genug jetzt von spärlich bekleideten jungen Damen mit Schuppenproblemen, die Innenstadt von Kopenhagen ist auch durchaus sehenswert. Leider befinden sich dort im Moment (wegen Bau der Metro-Station) ziemlich grosse Löcher, vor allem der „Kongens Nytorv“ war völlig unkenntlich. Aber andere, kleinere Plätze waren zum Glück unangetastet.

Am Storkespringvandet

Leica M mit 21mm Super Elmar bei f/4.0   1/1500sec    ISO 200

Am Samstag war Regen gemeldet und so planten wir an dem Tag keine grössere Radtour. Wir waren am Vortag durch Schonen geradelt, immerhin so 85km. Mit den Rädern bei Helsingoer die Fähre nach Helsingborg genommen, bei schönstem Wetter durch Südschweden, das steckte uns sowieso noch in den Beinen, zumal wir abends noch mal knapp 20km im beleuchteten Kopenhagen zurückgelegt hatten, Fotos davon später.

Samstag also war prädestiniert für einen Besuch im Nationalmuseum. Dänische Geschichte pur. Vorsichtige Kritik: Museumspädagogisch nicht ganz up to date, man wird mit zu vielen Exponaten erschlagen und schaltet irgendwann ab. Wie mein Freund allein zur Abteilung Frühgeschichte richtig bemerkte: „10 000 Jahre Pfeilspitzenherstellung“, dabei rannte man an wirklich wichtigen Sachen wie dem „Sonnenwagen von Trundholm“ fast vorbei. Weniger ist mehr.

Später, in der Nähe des Rundetaarns wurden wir von einem heftigen Platzregen überrascht und retteten uns unter die Arkaden, wie viele andere auch. Dort herrschte trotzdem beste Stimmung, zumal wir Musik dabei hatten...

Party unter Arkaden

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/1500sec    ISO 1600

Als der Regen nachliess, gingen wir um die Ecke zur Vor Frue Kirke, dort hatte sich eine Menge an Schaulustigen gesammelt. Wie wir schnell erfuhren, wurde die Ankunft einer Braut erwartet, ein bekannter dänischer Komiker heiratete pikanterweise die 18 Jahre jüngere Tochter seines besten Freundes.

Ein Haufen Fotojournalisten lauerte vor der Kirche. Ab und zu kam mal einer der prominenten Gäste heraus und gab ein Interview, je nachdem, wie nötig sie es gerade hatten...meinem Freund ist ein Schnappschuss gelungen, der das richtig illustriert:

Interview

Fuji X-E1 mit 23mm Fujinon bei f/2.2   1/125sec    ISO 500

Irgendwie fesselte uns die Stimmung, die Fotografen, die gestylten Hochzeitsgäste, die Leute mit ihren Handykameras...da uns versichert wurde, die Braut käme in 5 Minuten, beschlossen wir, zu warten.

Als ich ein Foto der Reporterschar machte, identifizierte einer meine Kamera und sprach mich an. Das sei die richtige Kamera für Reportage, er habe selber eine und würde sie dafür benutzen. Leider müsse man für einen Job wie diesen solche Monster mitschleppen, damit hielt er seine Nikon D4 hoch.

Anschliessend hielten wir eine kleine Fan-Stunde über Leica -Objektive und deren besonderen Charakter ab, bis die Limousine mit der Braut um die Ecke bog. Schade, ich habe vergessen, ihn mal nach Thorsten Overgaard zu fragen, der in Kopenhagen residiert. Hätte mich interessiert, was er von ihm denkt. Früher hatte ich dessen Webseite öfter besucht, bis mir klar wurde, dass er Scientologe ist. Seither ist er bei mir in Ungnade gefallen.

Spotted by another Leica-Owner

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/2.8   1/125sec    ISO 320

Dann kam die Braut und alle suchten sich hastig eine Position, von der sie glaubten, ein gutes Schussfeld zu haben. Ich blieb einfach, wo ich war, weil ich ja gar keinen Ehrgeiz hatte, die Braut abzulichten. Tatsächlich stand ich dann aber zufällig so günstig, dass ich gar nicht anders konnte, als abzudrücken. Die Fotos, die ich auf den Doppelseiten der Boulevardblätter am nächsten Tag sah, unterschieden sich kaum von meinem:

The Bride-to-be

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/125sec    ISO 250

Das war ein Ausflug in die Welt der Paparazzi, die ich wahrlich nicht beneide.


Am Abend zuvor waren wir in die Stadt geradelt, um mal zu schauen, was Kopenhagen beleuchtet so hergibt. Die Dämmerung erwarteten wir in der Innenstadt, die bis spät abends sehr belebt ist, zumal auch die Geschäfte oft erst um 22.00 Uhr schliessen.

Begehrlichkeit - Covetousness am Amagertorv

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 3200  Belichtungskorrektur 0

Ich machte einige Bilder, als die Beleuchtung bei zunehmender Dunkelheit mehr herauskam. Hier folgen ein paar Schnappschüsse, ohne Anspruch auf künstlerischen Wert. Aber es soll zeigen, Was mit einem guten Objektiv und modernem Sensor aus der Hand möglich ist. Ich habe meine Kamera immer so eingestellt, dass bei Auto-ISO 3200 die Obergrenze ist (bei 6400 ist das „Banding“ in den dunklen Bereichen für meinen Geschmack zu deutlich), dabei die Belichtungszeit möglichst unter 1/125sec bleibt. Erst, wenn es noch dunkler wird, geht dann die Automatik auf längere Belichtungszeiten, man muss ein Auge darauf haben, weil unter 1/12sec auch bei 35mm eigentlich kein verwacklungsfreies Bild herauskommen kann, es sei denn, beim Fotografen setzt Rigor Mortis ein.

1/125sec ist recht hoch, dass bedeutet natürlich auch, dass die Kamera früh die ISO-Zahl erhöht, aber bei der Rauscharmut ist mir das lieber, als zuviel Bewegungsunschärfe der Menschen im Bild (ausser sie ist erwünscht).


Da mein Freund die Fuji X-E1 benutzt, hatte ich den direkten Vergleich, was mit dieser Kamera möglich ist und ich muss sagen, das ist beeindruckend. Nun hatte er aber auch sowohl das 23mm als auch das 35mmm Fujinon im Gebrauch, was praktisch Leica-Style ist. Beide Objektive sind „Primes“, sie wären auch meine erst Wahl, besässe ich eine Kamera des X-Systems (d.h., ich hab‘ ja die X-100s, die wäre da auch super gewesen, aber eine Kamera reicht). Das einzige, was zunehmend nervte, war der Autofokus, der ständig kontrolliert werden musste, dass er einen nicht verar...an der Nase herumführt.


Die M war bei dem schwindendem Licht also deutlich schneller im Gebrauch. Noch ein Wort zur Belichtungskorrektur: Wenn viele Lichter im Bild sind, kann man sie neutral belassen (tagsüber habe ich sie oft auf +1/3 oder +2/3), bei vielen dunklen Bildanteilen kann man auf -2/3 oder -1 zurückgehen, weil die Automatik versucht, die Szenerie praktisch taghell aufzunehmen. Besonders, wenn man über Live-View die Mehrfeldmessung hat, neigt die Automatik eher zur Überbelichtung bei Dunkelheit, d.h. die Lampen im Bild brennen tendenziell zu sehr aus.

Wenn man aber die schummrigen Verhältnisse so ‘rüberbringen will, wie sie waren, kann man mit negativer Belichtungskorrektur auch ISO sparen.

Ich schreibe mal zu den Fotos dazu, wie ich die Belichtungskorrektur jeweils eingestellt hatte. Ausserdem lege ich jetzt mal den Schalter zu Farbe um.

Storkespringvandet am Amagertorv

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 3200  Belichtungskorrektur 0

Gammeltorv

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/180sec    ISO 1000  Belichtungskorrektur 0

Vollbesetzte Cafés

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/180sec    ISO 2500  Belichtungskorrektur 0

Rathausplatz

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 1600  Belichtungskorrektur 0

Palace-Hotel

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/180sec    ISO 2500  Belichtungskorrektur 0

Amalienborg

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/15sec    ISO 3200  Belichtungskorrektur 0

Das waren jetzt alles Bilder „aus der Hand“, aber ich hatte auch (wie immer) mein kleines Manfrotto Tischstativ dabei, das seinen festen Platz in der Kameratasche hat. Mein Freund bestand darauf, auch das „normale“ Manfrotto-Stativ mitzunehmen (ich bin immer zu faul dazu), aber bei der kleinen Meerjungfrau war ich froh, dass er es mitgenommen hatte, dort gab es keine guten Abstellmöglichkeiten für das Mini-Stativ.

Insgesamt macht man in Kopenhagen übrigens nicht so eine „Light-Show“ wie in Paris oder London. Will man viele bunte Lichter haben, muss man wahrscheinlich ins Tivoli gehen, das haben wir uns gespart.

Bei allen Bildern vom Stativ natürlich sofort Auto-ISO abstellen und die native ISO-Zahl der Kamera fest wählen. Bei Fuji und Leica ist das ISO 200. Empfehlenswert: Selbstauslöser auf 2 Sekunden, vermindert verwackeln beim Auslösen. Beim einstellen der Bildkomposition via Live-View misst die Kamera die Belichtung mit Mehrfeld (über das ganze Bild, im Gegensatz zur mittenbetonten Messung bei normalem Messsuchereinsatz), dann merkt man schon, dass die Fotos eher zur Überbelichtung neigen. Belichtungskorrektur also tendenziell nach unten.

Selbstverständlich kann man sich die ganzen Überlegungen zur Belichtungskorrektur sparen, wenn man von vornherein manuell einstellt, und zwar nach Gefühl und Wellenschlag, denn die Vorschläge des Belichtungsmessers muss man dann einfach ignorieren.

Nyhavn

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/4.8   1sec    ISO 200  Belichtungskorrektur -1

Lille Havfrue

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   3sec    ISO 200  Belichtungskorrektur -1

Das Foto der kleinen Meerjungfrau ist die Farbversion des Bildes von ganz oben.  Es war wirklich Glück, dass wir gerade zu Mondaufgang ankamen. Das Bild habe ich in der Nachbearbeitung noch deutlich dunkler gemacht, eigentlich ist nämlich jedes Detail der Bronzefigur zu sehen, aber ich fand, dass dies hier mehr der Mondlichtstimmung entspricht.

Es waren noch einige Touristen (die wir ja auch waren) dort, als wir unser Stativ aufbauten und die Kamera mit Live-View einstellten. Eine Amerikanerin schaute über meine Schulter und sagte: „Oh my God! This looks gorgeous! Are you a professional?“ Woraufhin ich sie aufklärte, dass ich „just a dedicated amateur“ sei.

Während mein Freund sein Shooting mit der Nixe hatte, interviewte mich ein anderer Amerikaner, wie diese Bildqualität zu erzielen sei und ich gab ihm mein übliches Credo, nämlich dass selbst Midrange-Consumer-Cameras lediglich durch die schlechte Qualität der Kit-Objektve gebremst werden. Macht man sich die Mühe, in wirklich gutes Glas zu investieren, braucht man keine High-End Kamera.

Was ich übrigens bei solchen Gesprächen (die ich im Lauf der Zeit schon öfter hatte) wie die Pest vermeide: Darauf hinzuweisen, wie toll meine Kamera ist und wie teuer! Das ist was für Profilneurotiker, falls man also eine M oder ähnliches besitzt und ständig alle Leute auf deren Einzigartigkeit (vor allem der Preise...) hinweist, sollte man sich mal selbst überprüfen, was das eigentlich über den Charakter aussagt. Und nebenbei: Es kommt immer nur als Angeberei herüber. Peinlich.

Ich erinnere mich, dass ich da auf direkte Nachfrage nach der Kamera z.B. nur sagte, die sei „certainly very good, I like it, because it‘s the last German Camera-Brand, but it‘s the lenses that make the difference“.

Black Diamond

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.4   2sec    ISO 200  Belichtungskorrektur 0

Blick von der Knippelsbro

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/4.0   3sec    ISO 200  Belichtungskorrektur -1

Da wir gerade von Kameras sprachen, hier mal eine Gegenüberstellung mit der Fuji X-E1 (die ich übrigens auch eher als „High-End“ einschätze, vor allem wegen der Objektive, aber die gegenüber der Leica M ein Super Preis-Leistungs Verhältnis hat)

Gleicher Standort, etwas anderer Bildausschnitt

Fuji X-E1 mit 23mm Fujinon bei f/1.4   1/2sec    ISO 200   Belichtungskorrektur 0

Fuji X-E1 mit 35mm Fujinon

Alte Börse und Schloss Christiansborg

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/4.8   2sec    ISO 200  Belichtungskorrektur -1

Leica M mit 50mm Summilux asph.

Schaut man sich die 100% Vergrösserungen der beiden vergleichbaren Objektive an (50er Summilux und 35er Fujinon), kann man sehen, wie nahe die Fuji an der Qualität der Leica liegt. Die unterschiedlichen Bildausschnitte kommen natürlich vom Unterschied zwischen 24 Megapixeln bei der M und 16 bei der Fuji.

„Cykelslangen“ am Einkaufszentrum

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/25sec    ISO 3200   Bel.-Korr. 0

Oper

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/4.8   2sec    ISO 200  Belichtungskorrektur -1

Jetzt hat die Nachtfotografie ziemlich viel Raum eingenommen, aber auch tagsüber gab es die „Postkartenmotive“, die für mich auch dazugehören, nicht weil sie künstlerisch so wertvoll sind, sondern weil sie der Erinnerung dienen. Besonders fotogen ist sicher Nyhavn:

Noch ein Wort zu den Objektiven: Wenig überraschend, das meistgebrauchte (am Tage) das 28er Elmarit, daneben das 50er Summilux. Unverzichtbar in der Stadt das 21er Super Elmar. Abends statt 28er das 35er Summilux. Eigentlich hatte ich immer nur drei Objektive dabei. Diesmal überhaupt nicht gebraucht: Das 90er Summarit. Lange Brennweiten in der Regel nicht mein Ding.

Nyhavn

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/2000sec    ISO 200  

Nyhavn kurz nach Sonnenuntergang

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/350sec    ISO 200  

Hier setze ich jetzt einen Punkt. Überflüssig zu sagen, dass ich noch dutzende „Postkarten“ habe, aber die muss ich hier nicht alle zeigen.

Um das Eingangs erwähnte etwas abzumildern: Kopenhagen ist schon eine Reise Wert. Die Stadt setzt halt andere Schwerpunkte als Paris oder London. Wenn man an einem der Plätze oder Nyhavn im Café sitzt (vielleicht mit einem Carlsberg vor sich) und die Menschen vorbeiziehen sieht, ist das mindestens so interessant wie in den anderen Metropolen Europas.


Heute bekam ich ein Musterexemplar des neuen Vlotho-Kalenders, den ich für den Freundeskreis Kirchenmusik herausgebe. Er kann jetzt in Druck gehen, die örtlichen Buchhändler haben schon jede Menge Vorbestellungen, das Produkt hat sich sozusagen am Markt etabliert...gut für den Freundeskreis, er ist eine sichere Einnahmequelle. Ich überlege jedes Jahr neu, ob ich wieder einen machen soll, aber dann bekomme ich die Rückmeldungen und werde weich. Der Kalender ist für die meisten eher so eine Art Ersatz-Fotoalbum von Vlotho, ich finde es zum Beispiel faszinierend, dass er in alle Welt geschickt wird, sozusagen als Standard-Geschenk für alle Exil-Vlothoer. Die Vorstellung, dass er in Sidney, Los Angeles oder Stockholm irgendwo an der Wand hängt, motiviert mich, morgens im klammen Wesernebel auf den Sonnenaufgang zu warten...


Aber obwohl ich an solchen Dingen sehe, dass ich mit meiner Fotografie Geld machen könnte, wäre der Zwang, dies professionell zu tun, der Todesstoss für meine Freude daran. Ich bin froh, dass ich als Amateur keinerlei Zwängen unterliege und nur das machen muss, was mir Spass macht.


Nächstes Grossereignis: Die Aufführung der H-Moll Messe von Bach im November. Unsere Ehrgeizige Kantorin hat die Hannoversche Hofkapelle verpflichtet, Spezialisten für alte Musik. Die letzten Proben laufen auf Hochtouren. Ein Konzertplakat muss ich noch entwerfen.


Keine Ahnung, wann der nächste Blog kommt...

Plakatentwurf:


Der Hintergrund ist ein Fenster aus St. Stephan, editiert in LR und Pages, Layout in Pages.