Sylt und das Super-Elmar 21mm

 

An der Kurpromenade von Westerland

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/4.8  1/1000sec  ISO 160

Seit 30 Jahren komme ich regelmässig auf die Insel Sylt, ganz einfach, weil die Schwester meiner Frau mit einem waschechten Sylter verheiratet ist.

Durch das Insiderwissen meines Schwagers haben wir Einblicke in das Leben auf der Insel, die normale Touristen oft nicht haben.

Momentan hat mein Schwager das Gefühl, dass den Einheimischen die Insel „unterm Hintern wegverkauft“ wird und keiner was dagegen tun kann.

Paradoxerweise hat die Insel also Probleme, weil Alle es so schön dort finden...


Und schön ist es dort. Wenn man alle Klischees beiseite lässt, findet man ein wunderschönes Fleckchen Erde. Die Seite Sylts, die die Snobs lieben, kann man ohne weiteres vermeiden.


Für das „lange“ Wochenende (Fronleichnam) waren wir Mittwochnachmittag ganz entspannt mit dem Zug gefahren, um die zu erwartenden Staus zu vermeiden. Der Plan ging auch voll auf...


Am Donnerstagmorgen schlenderte ich durch Westerland und natürlich schaute ich bei dem dort ansässigen Fotogeschäft mit dem roten Punkt vorbei (das ist natürlich schon irgendwie typisch, dass es dort einen Leica-Händler gibt...).

Der Geschäftsinhaber stand gerade mit einem Kunden vorm Schaufenster und zeigte ihm die Fuji X-Pro1. Ich schaute mir derweil die in der Auslage vorhandenen M-Objektive (alle Zeiss) an.

Der Händler kannte mich noch vom letzten Jahr, ausserdem hatte ich natürlich meine M9 um, er warf einen Blick zur Seite, sah mich vor dem Objektiven und sagte: „Ich hab‘ das neue Super-Elmar 21mm da!“

Ich stutzte und erklärte Ihm, dass ich ja bereits das 21mm Elmarit hätte. Das Gespräch verlief dann mehr auf die Fuji X-Pro1 bezogen, es kam dem Händler ganz recht, dass jemand da war, der seinem Kunden  positives aus Sicht eines Nutzers über diese Kamera berichten konnte.


Ich ging weiter und es nagte an mir. Ich kannte das Super-Elmar aus den Reviews und wusste, das seine Abbildungseigenschaften alles toppen, was im Weitwinkelbereich bis dato da war, einschliesslich meines 21mm Elmarit...

Dazu extrem kompakt, anders als mein Elmarit blockiert es nicht einen grossen Teil des Suchers, was die Bildkomposition schon erschwert, sondern praktisch gar nichts (so 2% oder so...mit Gegenlichtblende).

Mit Einführung dieses Objektivs hat Leica die Produktion des Elmarit eingestellt (es wird aber jetzt dadurch um so wertvoller, gute gebrauchte Exemplare werden über dem Neupreis gehandelt. Denn eine Sache ist beim Elmarit: Es ist sehr Lichtstark mit Öffnung f/2.8, z.B. meine Fotos vom Sony-Center in Berlin bei Nacht wären sonst nicht möglich gewesen).


Man kommt nicht so oft auf ein Leica-Objektiv zu, das einfach im Laden steht, meistens muss man monatelang warten, wenn man eines bestellt. Der Händler sagte mir, dass dies das erste Leica-Objektiv war, dass er in diesem Jahr (es ist Juni!!) „einfach so“ geliefert bekommen hat... Unglaublich, so was geht nur bei Leica, dass in den Geschäften eigentlich kaum die Sachen zu finden sind, die man eigentlich kaufen möchte.

Ich grübelte noch eine Weile, kam dann zu dem Ergebnis, dass das Ganze ein „Wink des Himmels“ sei und kehrte auf dem Absatz um.

Der Händler freute sich,  mich so schnell wieder zu sehen, und noch mehr, als ich ihm das Elmar abkaufte. Er hatte gerade einen neuen Kunden in Beratung, diesmal ging es um die Entscheidung was besser sei: Eine Micro 4/3-Kamera (der Name dieser Kategorie bezieht sich auf die Sensor-Grösse) oder die Fuji X-100 (mit APS-C Sensor, also grösser).

Klar, dass ich meinen Senf dazu gab (aber der Händler ermutigte mich dazu, aus denselben Gründen wie zuvor bei der X-Pro1). Ich stellte die Stärken der X-100 heraus und erklärte, das auch in Punkto Bildqualität eine Micro 4/3 kein Vergleich zur X-100 ist. Er kaufte die Kamera...


Das witzige ist, dass ich am nächsten Tag wirklich absolut zufällig am Geschäft vorbeikam und dort ebendiesen Kunden (vor dem Laden) im Gespräch mit dem Inhaber traf. Das war das sprichwörtliche „grosse Hallo“, denn der frischgebackene Besitzer der X-100 schilderte seine Begeisterung über die Qualität der Bilder, die er am Vorabend mit seiner neuen Kamera gemacht hatte und dass ich mit allem absolut recht gehabt hätte...ist das nicht ein innerer Vorbeimarsch?


Hmmm, mal überlegen: Ich hatte also eine Fuji X-Pro1 und eine X-!00 verkauft, dass sollte eigentlich eine satte Provision geben, eine Kamera für 2100 Euro und eine für 1200...


Aber naja, ein Foto-Händler soll auch leben. Ich war schon glücklich mit meinem neuen Objektiv, dass natürlich verstärkt zum Einsatz kam. Meistens ist 28mm meine bevorzugte Brennweite, wenn ich es „Weit“ brauche, ausserdem liebe ich das 28mm Summicron nach wie vor, es hat einzigartigen Charakter.

Aber so sah ich die Welt mal mit dem 21mm-Blick, und das lohnt sich auch. Ein paar Beispiele folgen:

Ausflug zu den Seehundbänken

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/4.8  1/2000sec  ISO 160

Das Objektiv liefert derart Kontrastreiche Farben, dass Lightroom oft automatisch den Kontrast ins negative setzt...

Nun ist das sowieso typisch für Leica-Objektive, dass diese bei jeder Öffnung hohen Kontrast zeigen, aber beim Super-Elmar ist der Effekt besonders deutlich.

Hamburg, Aussenalster, aus dem Zugfenster...

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/3.4  1/4000sec  ISO 160

Hier wird noch eine Eigenschaft des Super-Elmar deutlich: Es ist extrem Gegenlichtresistent. „Flare“ tritt praktisch nicht auf.

„Wild Sky“ vor Westerland. Dieses Foto ist auch in Farbe schön, aber in Schwarzweiss wirkt der Himmel noch plastischer. Dies kommt der Sache nah, die als das Phänomen der „Hyper-Reality“ bei hochauflösenden Bildern bezeichnet wird.

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/3.4  1/1500sec  ISO 160

Noch mal Kurpromenade von Westerland

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/5.7  1/2000sec  ISO 160

Am Hauptstrand

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/4.8  1/3000sec  ISO 160

Die grünen Riesen am Bahnhof

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/4.0  1/1500sec  ISO 160

Teenies auf Entdeckungstour

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/4.0  1/1000sec  ISO 160

Aber nur mit dem Elmar habe ich natürlich nicht fotografiert. Das 50mm Summilux kam oft zum Einsatz, und zwar mit neutralem Graufilter, um das fotografieren mit Offenblende zu ermöglichen. Dann kommt der besondere Charakter dieses Objektivs besonders zur Geltung.


Am dritten Tag war es recht stürmisch, grauer Himmel, Wind und Sand machten das fotografieren fast unmöglich.

Aber ich ging natürlich trotzdem los...

Am Strand freundete ich mich mit ein paar Kite-Surfern an, die bei diesem Wetter richtig loslegen konnten. Nach Lee konnte man fotografieren, ohne das die Linse sandgestrahlt wurde.

Im Sturm

M9 mit  Summilux 50mm Asph. bei f/1.4  1/1000sec  ISO 160

In See stechen

M9 mit Summilux 50mm Asph. bei f/1.4  1/350sec  ISO 160

Riesenmotte am Strand von Westerland...

M9 mit Summilux 50mm Asph. bei f/1.4  1/500sec  ISO 160

Gegenverkehr

M9 mit 21mm Summicron 75mm Asph. bei f/4.0  1/1500sec  ISO 160

Wie üblich hat es keinen Zweck, alle Bilder zu zeigen, das sprengt mal wieder den Rahmen. Von der Familie sind wieder ein paar schöne Schnappschüsse im Kasten, und einige Fotos in der Kategorie „Street“, die mir immer mehr Spass macht.

Landschaftsbilder sind sowieso dabei.

Auf dem Rückweg habe ich auch Muße gehabt, zu fotografieren, dass ist das schöne bei Zugreisen. Beim Umsteigen oder sogar aus dem Zug heraus gibt‘s was zu knipsen...

Hamburg-Altona am späten Nachmittag

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/3.4  1/500sec  ISO 160

Donnerstag, 14. Juni 2012

Ein sehr ergiebiges Wochenende. Jetzt muss ich noch in mich gehen, ob ich das Elmarit 21mm verkaufe oder als Lichtstarke Variante behalte...